Review – Amazfit GTR

Vor einigen Jahren wurden Smartwatches noch belächelt und für einen Trend gehalten, der sich nicht durchsetzen würde. Dies hat sich allerdings mittlerweile geändert. Smartwatches sind nicht nur ein stylisches Gadget zum vorhandenen Smartphone geworden, sondern bieten auch neue Einsatzmöglichkeiten. Mittlerweile bieten viele Smartphone-Hersteller wie Samsung oder Huawei passende Smartwatches an, die auch problemlos mit Smartphones andere Hersteller zusammenarbeiten. Mit der Smartwatch Amazfit GTR will der Hersteller nun auch um die Gunst der Nutzer buhlen. Das 47mm Modell stelle ich heute vor.

Lieferumfang

Die Amazfit GTR beschränkt sich im Lieferumfang auf das Wesentliche. Neben der Uhr liegen lediglich ein Ladekabel sowie eine Kurzanleitung in verschiedenen Sprachen bei. Ein zweites Armband oder ähnliches ist nicht dabei. Allerdings muss ich zugeben das man für den Preis (komme ich noch später zu) nicht viel mehr erwarten darf.

Design und Verarbeitung

Die Amazfit GTR gibt es in zwei verschiedenen Größen. Zum einen das schon etwas länger erhältliche Modell mit 42mm Durchmesser und nun das neue Modell mit 47mm. Die 47mm-Version ist in zwei Farben bzw. Materialien verfügbar. Zum einen das schwarz-matte Aluminium Modell sowie eine glänzende Edelstahl-Variante. Wie auch auf den Bildern im Artikel zu sehen ist, habe ich das Edelstahl Modell hierbei genauer unter die Lupe genommen.

Bei der Verarbeitung der Uhr wird man mehr als überrascht, denn diese bewegt sich auf einem extrem hohen Niveau. Besagtes Edelstahl-Modell ist nicht nur absolut sauber verarbeitet, sondern hat meiner Meinung nach auch ein schönes, zeitloses Design. Besonders die runde, klassische Uhrenform gefällt mir besonders gut. Die Oberfläche des Armbandes erinnert sehr stark an Leder, doch beim zweiten Hingucken und Anfassen merkt man schnell das es sich um ein Kunstleder handelt. Aber auch dieses ist für die Preisklasse mehr als in Ordnung. Die Rückseite des Armbandes besteht aus Silikon und lässt sich somit auch beim Sport oder ähnlichen Aktivitäten problemlos tragen.  Wem das Ganze auf Dauer nicht gefällt, kann das Armband aber auch problemlos wechseln. Fast jedes auf dem Markt erhältliche Armband passt auf die Amazfit GTR. Der farblich abgesetzte Lünetten-Ring rund um die Uhr ist nicht beweglich und hat somit keinerlei Funktion.

Das Display

Die Amazfit GTR besitzt ein rundes 1,39 Zoll kleines AMOLED-Display, welches mit einer Auflösung von 454 x 454 Pixeln arbeitet. Auflösungstechnisch sticht die Amazfit damit sogar die aktuelle Apple Watch 5 aus, die lediglich eine Auflösung von 368 x 448 Pixeln besitzt. Bedient wird die GTR über den Touchscreen welches, entgegen andere Meinungen aus dem Internet, einwandfrei funktioniert. Egal ob man durch die Menüs wischt oder eine App starten will. Die Reaktion ist prompt und zuverlässig. Grundsätzlich erlebt man auch beim Display wieder mal eine Überraschung. Neben einem tollen Schwarzwert verfügt das Display über einen sehr guten Kontrast und gibt die Farben kräftig wieder. Die Helligkeit der Smartwatch ist mehr als ausreichend und sorgt dafür, dass sich die Uhr auch im Sonnenlicht problemlos ablesen lässt. Der verbaute Helligkeitssensor verrichtet seine Arbeit zufriedenstellend, obwohl bei Dunkelheit das Display doch immer noch recht hell ist.

Funktionen & App

Die Amazfit GTR ist in den Funktionen gegenüber anderen Smartwatches deutlich eingeschränkt. Die ist dem extrem ressourcenschonenden Betriebssystem geschuldet. Dies zeigt sich auch bei den Angaben zum Speicher. Die Amazfit von GTR verfügt über lediglich 16 Megabyte Arbeitsspeicher und 40 Megabyte internen Speicher. Grundfunktion wie Wetter, Weckfunktion, Erinnerungen, Musiksteuerung sind aber dennoch enthalten. Außerdem stehen 12 verschiedene Sport-Tracking-Modi zur Verfügung. Da die Uhr bis 50m Wassertiefe dich hält, können sogar Schwimmeinheiten getrackt werden. Auch das verbaute GPS-Modul (GPS und GLONASS) arbeitet relativ zügig und einigermaßen genau. Ebenso mit an Bord – die Herzfrequenzmessung. Diese erwies sich bei Vergleichen mit anderen Geräten als überraschend genau und zuverlässig. Zudem kann vorab festgelegt werden wie oft bzw. in welchem Rhythmus (alle 1, 5, 10 oder 30 Minuten) die Messung stattfinden soll. Wer die Amazfit GTR auch nachts trägt kann, wenn auch nur rudimentär, seine Schlafgewohnheiten aufzeichnen lassen.

Die GTR läuft problemlos mit iOS und Android

Um die Uhr im vollen Funktionsumfang nutzen zu können, wird eine App benötigt die auf dem Smartphone installiert wird. Die Registrierung eines Benutzerkontos ist hierbei zwingend erforderlich. Optisch macht die App nicht viel her und beschränkt sich hier auf das Wesentliche. So werden die ausgewerteten Daten wie Schritte, Sport-Tracking und verbrannte Kalorien angezeigt. In der App lassen sich auch der Wecker oder Erinnerungen einstellen. In einem weiteren Menü kann festgelegt werden, welche Benachrichtigungen* an die Uhr weitergeleitet und angezeigt werden.  Um die Uhr bzw. das Ziffernblatt (sogenannte Watchfaces) etwas persönlicher zu gestalten, stehen mehrere Watchfaces zur Verfügung. Allerdings dauert die einmalige Übertragung an die Uhr verhältnismäßig lange (1-2 Minuten).  Maximal drei Watchfaces lassen sich auf der Uhr speichern, allerdings sind zwei davon fest auf der Uhr installiert und lassen sich nicht ändern. Das Ganze ist meiner Meinung nach nicht optimal gelöst, denn so hat man nur die Möglichkeit ein einziges persönliches Watchface zu hinterlegen. Die Auswahl an Designs ist übersichtlich – hier bieten andere Hersteller von Smartwatches deutlich mehr Vielfalt. Andere Apps lassen sich im Übrigen auch nicht auf der Amazfit GTR installieren.

*In der App auf dem Smartphone lässt sich unter anderem einstellen, welche Apps Benachrichtigungen auf der Uhr anzeigen darf. Auf Andorid-Geräten funktioniert das auch einwandfrei. Leider scheint es auf dem iPhone X aktuell aber einige Probleme in Verbindung mit WhatsApp zu geben. Die Uhr zeigt eingehende WhatsApp Nachrichten vom iPhone X partout nicht an. Nach Rücksprache mit dem Hersteller teilte man mir aber mit, das man mit Hochdruck an den Problem arbeite und die WhatsApp Benachrichtigungen mit einem der nächsten Updates wieder einwandfrei funktionieren soll.

Der Akku

Hier kommt nun ein Punkt, der mich absolut überrascht hat und ich bei solch einer Uhr nicht erwartet hätte. In unserem Haushalt gibt es mittlerweile mehrere Smartwatches mit unterschiedlichen Akkulaufzeiten

SmartwatchAkkulaufzeit
Huawei Watch GT2ca. 1 Tage
Apple Watch Series 4ca. 1,5 Tage
Samsung Gear S3 Frontierca. 2 Tage

Die Amazfit GTR schlägt hier ganz andere Laufzeiten an. In den fast zwei Wochen Test habe ich immer wieder mit der Uhr Funktionen ausprobiert, diverse Watchfaces installiert und täglich getragen. Die Herzfrequenzmessung wird alle 10 Minuten durchgeführt sowie sämtliche Schritte gezählt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nach 11 Tagen liegt der Akkustand bei unglaublichen 64 Prozent. Einen Wert den ich so nicht erwartet habe. Der Hersteller gibt zwar an das der Akku bis 24 Tage durchhalten soll, aber meine Erfahrung hat mir gezeigt das solche Angaben eher auf „Laborwerten“ beruhen – sprich sämtliche Funktionen sind deaktiviert, Displayhelligkeit wird auf Minimal gesetzt und das Display ist fast immer aus. Anscheinend ist das bei der Amazfit GTR nicht so. Hier kann die Uhr mehr als überzeugen. Andere Hersteller können hier noch was lernen. Geladen wird der Akku mit dem Ladekabel und ist dann in ca. 1,5 Stunden wieder vollständig aufgeladen.

Keine Anrufe – keine Nachrichten

Leider ist es nicht möglich mit der Amazfit GTR Anrufe zu tätigen bzw. anzunehmen. Der Grund ist dafür ist schlicht und ergreifend, das die Uhr weder über Mikrofon noch Lautsprecher verfügt. Ein Feature auf das ich persönlich aber problemlos verzichten kann, da ich die Funktion auch bei anderen Smartwaches bisher nie genutzt habe. Wer Telefonieren will, muss hier noch ganz klassisch zum Telefon bzw. Smartphone greifen. Sollte jemand in Eurer Abwesenheit angerufen habe, wird Euch das aber selbstverständlich durch eine kurze Benachrichtigung angezeigt. Unterstützt wird das Ganze durch Vibration der Uhr. Es ist sogar möglich, sich sein eigenes Vibrationsmuster über die App zu erstellen. Im Internet ist häufiger zu lesen, das der Vibrationsmotor der Uhr extrem laut sein soll. Das kann ich allerdings überhaupt nicht bestätigen. Die Vibrationen sind gut wahrnehmbar und meiner Meinung nach kaum zu hören. Nachrichten von Facebook Messenger, WhatsApp oder ähnlichen Diensten zeigt die Uhr zwar an, allerdings kann nicht direkt mit der Uhr geantwortet werden. Dies ist aber auch eine Funktion, die ich eigentlich nicht nutze. Mir ist es grundsätzlich zu aufwendig, auf dem dann doch verhältnismäßig kleinen Display irgendwelche Textnachrichten einzugeben. Sowas mache ich dann doch lieber direkt am Smartphone.

Mein Fazit

Wer sich eine Smartwatch anschaffen will und keine Lust hat mehrere hundert Euro zu investieren, sollte sich die Amazfit GTR unbedingt mal anschauen. Grundfunktionen wie Benachrichtigungen, Wetter, Erinnerungen, Schrittzähler sowie Sport – und Schlaftracking sind bei dieser Uhr vorhanden – meiner Meinung braucht es auch nicht mehr. Die tolle Verarbeitung sowie das zeitlose Design runden das Ganze optimal ab. Hervorzuheben ist aber auch die besonders lange Akkulaufzeit, die ich bisher noch bei keiner Smartwach gesehen habe. Ein weiteres Kaufargument ist aber auch der Preis – die Amazfit GTR ist für knapp 150 Euro zu bekommen und hat damit ein absolut unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis.

 

ProContra
– sehr gute Vearbeitung– begrenzte Anzahl an Watchfaces speicherbar
– Herzfrquenzmessung– kleiner Speicher
– quasi jedes Armband verwendbar– keine Apps nachinstallierbar
– gutes Display
– lange Akkulaufzeit
– Preis

 

 

 

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